Rés Jaques Roulet
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| Abb. 1: Fußabdruck eines Werwolfs? |
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Im Jahre 1598 wurde in Angers der Prozeß eines Lykanthropen verhandelt.
Man sieht wie ansteckend diese Vorstellungen waren.
Man hatte in der Nähe von Caudean, einem wilden abgelegenen Orte, den
zerfleischten Leichnam eines fünfzehnjährigen Knaben gefunden. Als man
hinzukam, flüchteten zwei Wölfe, die noch von dem Körper gefressen hatten.
Man verfolgte sie, kam von der Spur ab, fand aber in der Nähe einen seltsam
verwilderten Knaben mit langem Haar und Bart und mit blutigen Händen, mit
langen Nägeln, wie Krallen.
Dieser Mensch hieß Roulet.
Nach einigen Zeugenaussagen sollte er ebenfalls erst bei der Annäherung von
Menschen von dem Leichnam geflüchtet sein. Er war blutarm und erbettelte sich
mit seinem Cousin Julien und seinem Bruder Jean seinen Unterhalt in den
benachbarten Ortschaften. Als die Tat geschah, war er schon acht Tage von zu
Hause entfernt.
Im Verhör gab er an, dass er sich auf seiner Reise mit seinen Begleitern in
Wölfe umwandle, mit Hilfe einer Salbe, die er von seinen Eltern erhalten
habe. Er gestand ein, dass er das Kind überfallen und zuerst durch Ersticken
getötet habe; die beiden andern Wölfe seien seine Verwandten gewesen; er erkannte
die Kleider wieder, die er an jedem Tage angehabt, den Leichnam des Kindes,
gab die Stelle an, an der die Tat geschehen, erkannte den Vater des Kindes
als denjenigen, der auf das Geschrei desselben zuerst zur Hilfe herbeigeeilt.
Roulet zeigte sich im Gefängnis als Idiot.
Bei seiner Gefangennahme war sein Bauch sehr gespannt, aufgerieben und hart, im
Gefängnis trank er an dem Abend einen ganzen Eimer mit Wasser aus und wollte seitdem
nichts mehr zu sich nehmen. Seine Eltern waren brave Leute, und es erwies sich, dass
sein Bruder und sein Cousin sich an demselben Tage nicht an demselben Orte befunden
haben. Es ist wahrscheinlich, dass wirkliche Wölfe jenen Knaben zerrissen haben;
hätte ihn Roulet getötet, so begreift man nicht, wie Wölfe so plötzlich auf den
Leichnam hätten losstürzen können. Roulet mag sich in der Nähe befunden haben, und um
seinen Hunger zu stillen, da er schon acht Tage in den Wäldern umherirrte, mag er,
während man die Wölfe verfolgte, sich auf den Leichnam gestürzt haben, wobei er sich
mit Blut besudelte.
Der Lieutenant Criminell verurteilte Roulet zum Tode. Er appellierte jedoch
an das Parlament zu Paris, und dieses erkannte: es steckt mehr Tollheit in
dem armen Idioten, als Bosheit und Zauberei und befahl, ihn auf zwei Jahre in
ein Irrenhaus zu stecken, damit er unterrichtet und zur Erkenntnis Gottes
zurückgeführt werde, die er in seiner bittern Armut außer Acht gelassen habe.
Aus Pierre de Lancre "L'incrédulité et méscréance
du sortilège." Paris 1622, zitiert nach Leubuscher
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