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Abnormale Fellzeichnungen der Pantherae

Tiger haben Streifen, Geparden besitzen Flecken, Jaguare und Leoparden sind bedeckt mit Rosetten. Und wenn ein Tiger keine Streifen besitzt, dann ist es halt kein Tiger. Ist es wirklich so einfach? Nein! In der Geschichte der Naturwissenschaften haben Menschen seit eh und je Zusammenhänge aufgedeckt und Modelle, Regeln und Klassifikationen erstellt, mit denen sie Ereignisse und die ihnen umgebende Natur zu erklären versuchten. Und wenn Modelle, Regelwerke oder Klassifikationen nicht alle Eventualitäten abdecken, müssen sie abgeändert und verallgemeinert werden. Und so kommt es, dass wir plötzlich mit Begriffen wie Leukismus, Melanismus, Albinismus und Tabbies konfrontiert werden.

Dann wollen wir auch gleich mit dem bekanntesten Vertreter abnormaler Fellzeichnungen beginnen, dem Schwarzen Panther...

Melanismus

Panther Wenn von Großkatzen die Rede ist, dann darf der Schwarze Panther, wie der schwarze Leopard gemeinhin genannt wird, nicht fehlen. Vielen Schilderungen nach ist er größer, stärker und gefährlicher als der Leopard, und mit Sicherheit ist er zumindest eine eigene Unterart. Nichts von alledem entspricht jedoch der Wahrheit. Wissenschaftliche Tatsache ist, der Panther ist ein gewöhnlicher Leopard mit einer ungewöhnlich starken Pigmentbildung seiner Haut, die seine ungewöhnliche Fellfärbung verursacht, die mit Melanismus bezeichnet wird. Melanismus wird von einem dominant-rezessiv vererbten Gen beider Eltern hervorgerufen. Da das Gen rezessiv ist, können normale Leoparden, die über das Gen, welches den Melanismus verursacht, verfügen, Panther zeugen. Es können daher in einem Wurf normale und schwarze Leoparden enthalten sein.
Betrachtet man sich einen Panther genau, so ist häufig noch stark rudimentär die ursprüngliche Fleckenzeichnung des Leoparden sichtbar.
Es ist zu beobachten, dass Melanismus verstärkt bei in waldigen Gebieten lebenden Leoparden auftritt. Dies erklärt auch die recht hohe Häufigkeit melanistischer Jaguare im Amazonas. Auch von melanistischen Tigern wurde schon berichtet, doch hat niemand einen glaubhaften Beweis für die Existenz eines schwarzen Tigers erbringen können. Daher halte ich die Existenz eines melanistischen Tigers für sehr fragwürdig.

Leukismus

weißer Löwe Wenn es ein Gen gibt, welches die Bildung schwarzer Pigmente fördert, dann gibt es mit Sicherheit auch ein Gen, welches die Bildung von Farbpigmenten reduziert. Auch wenn dieser Schluß keiner fundierten Logik entspricht, ist er doch wahr. Auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beleg für die Existenz weißer Leoparden und Jaguare gibt, kommen weiße Tiger und Löwen durchaus vor. Diese Eigenschaft, die wie der Melanismus von einem rezessiven Gen vererbt wird, bezeichnet man mit Leukismus. Leukistische Tiger besitzen anstelle ihrer orangenen Fellgrundfarbe eine weiße. Ihre sonst dunkelbrauenen bis schwarzen Streifen sind dünner und viel heller ausgebildet; häufig fehlen sie jedoch ganz. Auffällig ist auch die Rosafärbung der Nase und der Pfotenballen.
Oft wird Leukismus mit Albinismus verwechselt. Albinistische Tiere sind ebenfalls weiß, doch fehlt ihnen aufgrund eines Gendefekts jegliche Fähigkeit, Farbpigmente auszubilden. Daher ist die Regenbogenhaut der Iris solcher Tiere transparent, durch die die Rotfärbung der gut durchbluteten Netzhaut hindurchschimmert. Leukistische Exemplare erkennt man also an ihren stahlblauen Augen und eventuell an der Streifenzeichnung.
weißer Tiger Leukistische Tiger sind sehr selten. Zum einen vererbt sich diese Eigenschaft dominant-rezessiv, zum anderen ist eine weiße Fellfärbung in freier Wildbahn für die Überlebensaussichten nicht gerade förderlich, wie man sich leicht überlegen kann. Man schätzt ihre Anzahl weltweit auf ca. 50 Exemplare. Die Kombination dieser Faktoren führt zu einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000, dass in einem Wurf ein leukistischer Tiger enthalten ist. Diese stochastische Aussage lässt auf eine sehr geringe Verbreitung des entsprechenden Gens in der Population schließen. Weiße Tiger bilden keine Sub-Spezies. Jedoch hat man Leukismus nur bei Bengaltigern feststellen können. Fakt ist, es gibt keinen in Freiheit lebenden leukistischen Tiger.
Leukismus ist auch bei Löwen beobachtet worden. Auch bei ihnen wird diese Eigenschaft dominant-rezessiv vererbt. Leukistische Löwen sind zwar nicht so akut wie weiße Tiger vom Hungertod bedroht, da Löwen in Rudeln leben, doch verbessert ihre Auffälligkeit in der afrikanischen Savanne nicht gerade den Jagderfolg der Gemeinschaft. Es gibt gerade mal etwa 30 leukistische Exemplare.

Tabbies

Leukismus ist jedoch nicht die einzige abnormale Fellzeichnung bei Tigern. Da gibt es noch die Tabby Tiger, auch Golden Bengals oder Tabbies genannt. Ihre Fellgrundfarbe reicht von Gelb bis Gold, was ihnen auch den Namen einbrachte. Die Streifen sind sehr dünn ausgebildet und sind hellbraun gefärbt. Darüber hinaus soll das Fell eines Tabby's weicher als das eines normalen Tigers sein. Auch diese Eigenschaft wird von einem rezessiven Gen getragen. Die Tatsache, dass diese Tiere keine offizielle Bezeichnung besitzen, läßt darauf schließen, wie außerordentlich selten Tabbies sind. Man geht von 30 Exemplaren weltweit aus. Es heißt, dass diese Form der Fellfärbung nur bei Bengaltigern vorkommt. Tabby

Königsgeparde

Königsgepard Neben den normal gezeichneten Geparden kommen durchaus welche vor, die eine dunklere Fellgrundfarbe und stärkere, größere Flecken aufweisen, die gar miteinander verbunden sein können. Am Rücken bilden sie sogar Längsstreifen aus (siehe Bild), und das Nacken- und Kopffell solcher Exemplare ist interessanterweise etwas länger als das normaler Artgenossen. Geparden, die diese Merkmale ausbilden, werden als Königsgeparde bezeichnet. Man ging davon aus, dass Königsgeparde eine eigene Sub-Spezies bilden, die in dem taxonomischen Katalog als Acinonyx Jubatus Rex aufgenommen wurde. Jedoch erwies sich diese These als falsch. Die abnormale Ausprägung des Gepardenfells wird von einem rezessiven Gen verursacht. D.h. beide Elternteile müssen dieses Gen in sich tragen, um einen Königsgeparden zeugen zu können. Andererseits kann es sein, dass in einem Wurf zweier Königsgeparde auch normale enthalten sind. Allerdings sind Königsgeparde mit gerade mal 50 Exemplaren sehr selten. Forscher haben herausgefunden, dass das verantwortliche Gen für die Fellzeichnung des Königsgeparden durch eine Mutation des Tappy-Gens entstanden ist.

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